Weltkriege


Geschichtlicher Überblick –
Weltkriege und Nachkriegszeit

Nach der Kriegserklärung Österreich/Ungarn an Serbien am 28. Juli 1914 war der erste Weltkrieg besiegelt. Nach der deutschen Kriegserklärung an Rußland am 1. August 1914 erfolgte die Mobilmachung zum folgenden Tag. Der Funkspruch aus Trier traf um 8.10 Uhr in Manderscheid ein. „Die Begeisterung unter der Bevölkerung ist groß“, wird aus diesen Anfangstagen berichtet. Sie war schnell vorbei. Nach den anfänglichen Siegesmeldungen wurden die Nachrichten ab September 1914 gedämpfter. Nachdem die Offensive im Westen gescheitert war, waren die Hoffnungen auf einen schnellen Sieg geschwunden. Angesichts größer werdender Versorgungsschwierigkeiten vor allem in den Städten mussten die Landwirte einen Teil der Ernteerträge abführen. Ab 1915 wurde nach und nach ein Zuteilungssystem eingeführt.

Um den Goldbestand der Reichsbank zu stärken, wurden im September von den Bürgern die Goldstücke gegen Banknoten oder Darlehenskassenscheine umgetauscht. Die Landwirte mussten angeben, wieviel Brotfrucht und Hafer sie hatten. Es wurden Brotkarten ausgegeben. Es kam die Ablieferungspflicht für Milch und Butter.

Im Juni 1917 führte der Mangel an Rohmaterial für die Herstellung von Geschützen und Munition auch zur Beschlagnahme von Glocken. In der Pfarrkirche Laufeld fiel die schwere D-Glocke – rund 24 Zentner schwer – der Beschlagnahme zum Opfer.

Der Waffenstillstand trat am 11. November 1918 um 11 Uhr in Kraft. Fast zehn Millionen Menschen hatten in diesem Krieg ihr Leben gelassen.

Amerikanische und später auch französische Besetzungstruppen kamen in den Eifelraum. Auf der Grundlage der ausgearbeiteten „Weimarer Verfassung“ wurde am 6. Juni 1920 der 1. Deutsche Reichstag der Weimarer Republik gewählt. In den linksrheinischen Gebieten übte die „Interalliierte Rheinland-Kommission“ die politische Oberhoheit aus. Die Besatzungszeit hinterließ beträchtliche Schäden, vor allem an den Kreisstraßen. So wurde die Straße Bahnhof Laufeld – Laufeld – Oberöfflingen als Zu- und Abfuhrweg zum Bahnhof Laufeld für die Gemeinden Laufeld, Ober- und Niederöfflingen, Gipperath und Schladt total beschädigt. In diesen Ortschaften war ein großer Teil der Besatzungstruppen mit ihren Lastkraftwagen einquartiert. Auf dem Bahnhof Laufeld war ein Verpflegungs- und Munitionsdepot eingerichtet. Täglich jagten die Autos beladen in rasendem Tempo von den Dörfern in Richtung Bahnhof und wieder zurück.

Die Jahre 1921 und 1922 waren extrem schlechte Erntejahre. Die Preußische Staatsregierung half mit der Lieferung von Futtermitteln. Das Jahr 1923 brachte eine galoppierende Entwicklung der Inflationsrate. So kostete Ende des Jahres ein Liter Milch 320 Milliarden Mark. Auch 1924 war die Ernte nicht besser. Die Zahl der Erwerbslosen stieg. Im Oktober 1927 wurde die Erwerbslosenfürsorge in die Arbeitslosenversicherung umgewandelt. Die „Armenkommission Manderscheid“, das Sozialamt für die Ämter Manderscheid, Laufeld und Niederöfflingen, musste im Jahre 1927 über 58 Anträge beschließen. Das Jahr 1930 brachte für unseren Raum das Ende der Besatzungszeit. Das wurde gefeiert, aber politisch wurden die Zeiten unruhiger.

Die durch den Börsenkrach in New York ausgelöste Weltwirtschaftskrise zeige überall ihre Wirkungen. Der Niedergang der ersten demokratischen Republik in Deutschland nahm seinen Anfang. Der Einfluss der Nationalsozialisten (NSDP) wuchs auch in den Eifelgemeinden. Bei den Wahlen vom November 1932 und März 1933 zum 7./8. Deutschen Reichstag wurde in Laufeld u.a. wie folgt gewählt: 169/161 Zentrum, 25/84 NDSAP. Der Hitler-Block hatte bei dieser Wahl in Deutschland mit 52,55 Prozent die Mehrheit aller Stimmen erhalten. Der Reichstag wurde am 21. März 1933 eröffnet. Wie die Nationalsozialisten geschichtliche Tatsachen für ihre Zwecke missbrauchten, zeigte sich an dem Zeitungsartikel über die Feierlichkeiten am 21. November 1933 in Laufeld, dem „Gedenktag für Philipp Klas“.

Wie Jakob Gessinger, der damalige Bürgermeister von Laufeld und Mitglied des Provinziallandtages überliefert, gab es bereits seit 1918 Bestrebungen, eine „Rheinische Republik“ zu errichten. Diese Bestrebungen waren von Frankreich unterstützt worden. Der Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet 1923 war für die Separatisten das Signal. Sie wollten den Bahnhof Wengerohr einnehmen. Um dies zu verhindern, waren damals 24 Laufelder nach Wengerohr zur Sicherung des Bahnhofs geschickt worden. In den Tagen vom 18. bis 23. Oktober fanden in Trier und allen Kreisstädten des Bezirks unter dem Schutz der Franzosen die separatistischen Aufstände statt, so auch am 23. Oktober im Wittlicher Kreishaus. Daran nahmen teil Stadtbürgermeister Dr. Hammelrath aus Bernkastel, Weinkommissionär Scholtes aus Cochem, Maes aus Klausen, Hansen aus Wittlich, Niersbach aus Crames und Otten aus Eckfeld. Am gleichen Abend erschienen Leute mit grün/weiß/roten Armbinden als bewaffneter Selbstschutz. Auf dem Wittlicher Rathaus wurde eine grün/weiß/rote Fahne gehisst. Am 2. November war Kreisausschusssitzung. Dort erschienen die Separatisten. Sie lösten nach einer dreitätigen Unterstützung ihren Selbstschutz auf und gaben die Waffen an die Franzosen zurück. Sie kamen dann aber noch mehrmals in das Kreishaus und verlangten dort vom Landrat, dass er seine Beamten für die Rheinische Republik arbeiten lassen müsse. Es kam auch zu Überfällen auf die Kreissparkasse. Dann vereinbarten führende Separatistengegner für den 22. November eine großangelegte Aktion, um den Selbstschutz aufzulösen, die Fahnen herunterzunehmen und die Separatistenherrschaft zu beenden. Der Plan sickerte aber durch. Man unterstellte ihnen, dass sie die französische Garnison in Wittlich besetzen wollten. Daraufhin rückten französische Marokkaner-Patrouillen aus und die Separatisten machten von ihren Schusswaffen Gebrauch. Dabei wurde der Oberöfflinger Philipp Klas von einem Separatisten durch einen Oberschenkelschuss tödlich getroffen. Am 23. November 1923 waren alle Separatisten aus Wittlich verschwunden.

Am 30. Januar 1933 wurde der Führer der NSDAP, Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die endgültige Ausschaltung des Parlaments erfolgte am 23. März 1933. Durch die „Nürnberger Rassengesetze“ vom 15. September 1935 wurden alle „rassischen Mischehen“ und der „außereheliche Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ verboten. Politisch Andersdenkende kamen in Konzentrationslager. Am 30. Januar 1935 wurde die „Deutsche Gemeindeordnung“ erlassen. Gemeindeangelegenheiten wurden damit in der Person des „Leiters der Gemeinde“ (Führerprinzip) vereinigt. Die Gemeinderäte hatten nur noch beratende Funktionen, sie wurden vom Landrat berufen. 1934 erfolgte die Auflösung der Ämter Laufeld und Niederöfflingen und deren Zusammenschluss mit dem Amt Manderscheid. Es gab dabei auch Differenzen. So wollte man in Oberöfflingen den Bauer Metzen als Bürgermeister beibehalten. Nach Widerstand wurde Philipp Gerhards zum „Dorfschulzen“ vorgeschlagen, der aber ablehnte.

Beispielhaft für diese Zeit ist der Beschluss des Gemeinderats von Manderscheid vom 15. Juli 1935: „Kein Jude darf zuziehen, kein Jude darf ein Haus erwerben, kein Handwerker, kein Geschäftsmann oder sonst ein Volksgenosse erhält eine Gemeindearbeit oder Gemeindelieferung, der mit einem Juden Verkehr pflegt, das Kaufen bei Juden bedeutet Verrat am Volke und der Nation.“

Grundsätzlich galt: Wer nicht offen für die Nazis Partei ergreift oder sogar Kritik äußerte, musste mit Schikanen rechnen. In den Schulen wurde mit aller Entschiedenheit der Eintritt der Schuljugend in die Verbände der Hitler-Jugend betrieben. Vielfältige Anweisungen dieser halb wurden erteilt, so z. B. „beim Singen des Liedes ‚Vorwärts’ als Fahnenlied der Hitler-Jugend ist beim Kehrgesang die rechte Hand zum Gruß zu heben (Hitler-Gruß).“ Ab 1935/36 nahmen die Angriffe der Nationalsozialisten auf die Pfarreien und Priester zu. Kirchlich geprägte Erntedankfeste waren untersagt. Besonders kritisch beobachteten die Nazis die Neugründung der Mathiasbruderschaften in Bettenfeld und Laufeld. In der Pfarrei Laufeld wurde Organist und Chordirigent Lehrer Rauen aus Oberöfflingen die Genehmigung zur Ausübung dieser Ämter entzogen. Pfarrer und Definitor Peter Schaeffer erhielt wegen „Katechismuswahrheiten“ und Nichtbeflaggung der Kirche und Nichtläutens mehrere Verwarnungen. Das von Pfarrer Schaeffer umgebaute Jugendheim wurde von der Nazi-Regierung beschlagnahmt und dort ein Kindergarten eingerichtet. Pfarrer Jakob Schneider, der Nachfolger von Schaeffer in Laufeld, wurde verfolgt und im KZ inhaftiert. (dazu gibt es im Buch „Manderscheid“ eine umfangreiche Dokumentation von ihm selbst – Seite 449 bis 505)

Der von den Nationalsozialisten systematisch vorbereitete zweite Weltkrieg begann nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (1935) mit dem Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland (1936), die „Heimholung“ von Österreich, des Sudeten- und Memellandes und den Einmarsch in Polen (1. September 1939).

Im Frühjahr 1939 wurde mit dem Bau eines Feldflugplatzes für Jagdflugzeuge in Eckfeld begonnen. Von den insgesamt 1068 Kriegsgefangenen im Kreisgebiet wurden im Mai und Juli 1940 im Lager Dierfeld/Laufeld 30 Polen untergebracht. Die Kriegsgefangenen wurden in der Landwirtschaft und zum Teil auch beim Autobahnbau eingesetzt. Nach den Polen kamen später französische Kriegsgefangene. Am 27. Januar 1945 wurden 71 Kriegsgefangene gezählt. Beim Autobahnbau wurden auch Gefangene anderer Nationalitäten eingesetzt. In Niederöfflingen bestand darüber hinaus ein Lager mit politischen Gefangenen, die ebenfalls zum Autobahnbau zwangsverpflichtet wurden.

Mit der Landung der westlichen Alliierten in Nordfrankfreich zwischen Cherbourg und Caen am 6. Juni 1944 war die totale Niederlage Hitlers vorgezeichnet. Für unsere Heimat war die Errichtung eines amerikanischen Brückenkopfes bei Remagen am 7. März 1945 mitentscheidend für das Kriegsende. Verbände der 5. amerikanischen Division rückten zwischen dem 9. und 11. März in die hiesigen Ortschaften ein. Eine Statistik aus dem Amt Manderscheid zeigt das traurige „Ergebnis“ des zweiten Weltkrieges: 1400 Soldaten wurden einberufen, 287 sind gefallen, 178 vermisst, 27 verwundet und 67 Zivilpersonen wurden getötet.

In den Konferenzen von Jalta (Februar 1945) und Potsdam (Juli/August 1945) wurde Deutschlands Schicksal nach dem Ende des zweiten Weltkrieges entschieden.

Die erste Aufgabe der Besatzungsmächte hieß „Entnazifizierung“ und „demokratische Umerziehung“ der Deutschen. Mit der amerikanischen Besetzung der Eifel wurden die Selbstverwaltungen der Gemeinden (1. April 1945) und später die Kreise kommissarisch ernannt. Am 10. Mai richteten die Amerikaner als erste deutsche Behörde die „Provinzialregierung für Saarland-Pfalz-Südhessen“ ein. Am 30. August 1946 ordnete die französische Militärregierung die Schaffung des Landes Rheinland-Pfalz an.

„Entnazifizierung“ hieß, dass in sieben der 19 Orte des Amtes Manderscheid von der Militärregierung neue Bürgermeister eingesetzt wurden, in zwölf Gemeinden wurden die alten Ortsbürgermeister in ihrem Amt.

Mit der dann anschließenden Übernahme der Besatzungsgewalt durch die Franzosen waren wieder im Amts- und Gemeindebereich Veränderungen verbunden. Am 16. Juli 1945 wurden sämtliche privaten Bankguthaben gesperrt, die am 31. Juli 1945 wieder aufgehoben wurde. Die Franzosen forderten Abgaben und erließen vielfältige Verfügungen, die von den Amtsbürgermeistern auszuführen waren, so z. B. die Beschlagnahme von Tieren, eines Radioapparates für die Kommandantur, Gemüse, Kartoffeln, usw.

Die ersten Nachkriegsjahre waren eine entbehrungsreiche Zeit. Der Landwirtschaft fehlte gutes Saatgut, Maschinen und Düngemittel. Dazu kam, dass die Ernte des Jahres 1946 schlecht ausfiel. Der Wert der Mark sank immer mehr. Die Landwirte mussten Abgaben leisten. Sogenannte Viehkommissionen gingen von Stall zu Stall und suchten das Vieh aus.

Mit der Währungsreform in den drei westlichen Besatzungszonen erfolgte im Juli 1948 der Start in die neue Zukunft. Es wurde die Deutsche Mark eingeführt. Zehn alte Reichsmark waren jetzt nur noch eine Deutsche Mark wert. Als Startkapital erhielt jeder Westdeutsche 40 DM ausgezahlt. Am 14. August 1949 fanden die Wahlen zum 1. Deutschen Bundestag statt. Diese Wahl hatte in Laufeld folgendes Ergebnis: CDU 213, SPD 10, FDP 17, KPD 1.

Es gab Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Es wurde geschafft und geschaffen. Traktoren und moderne Bewirtschaftungsgeräte hielten Einzug. Große Mittel wurden in den Wegebau investiert. Neue Spritzenhäuser entstanden, Neubaugebiete wurden erschlossen, die Kanalisation und das Wasserversorgungsnetz wurden erneuert. Schulen und Kindergärten entstanden, Sportplätze und Turnhallen wurden gebaut. Eine Aufnahme Ende des Jahres 1964 aus der Schulchronik von Oberöfflingen, die diese Entwicklung bestätigt: 27 Schlepperbesitzer, 8 Ernte- und Ladewagen, 20 Familien mit einem Auto, 15 Familien hatten einen Fernseher, 23 Personen fuhren als „Pendler“ täglich zur Arbeitsstelle.